PfAu-Initiative:

Möglichkeiten in Schule und Betrieb / Treffen bei der Firma Jungheinrich

Chance auf Ausbildungsplatz erhöhen

Die Jugendarbeitslosenquote - erfasst wird hier die arbeitende Bevölkerung im Alter von 15 bis 24 Jahren - liegt in Deutschland bei etwas über 10 Prozent. Das ist im europäischen Vergleich zwar noch ein eher guter, insgesamt dennoch Besorgnis erregender Wert. Viele Jugendliche finden nach ihrem Schulabschluss nur schwer einen Ausbildungsplatz - oder eben leider gar keinen.
Vor fünf Jahren hat sich deshalb in Bensheim und Zwingenberg die Initiative Paten für Ausbildung (PfAu) gegründet, deren Ziel es ist, Hauptschülern der Region bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu helfen. Mitglieder der Initiative sind dabei nicht nur die Vertreter der örtlichen Unternehmen (also die Paten selbst), sondern auch Netzwerker. Dazu gehören Schulvertreter, Vertreter der Agentur für Arbeit, aber auch die Presse.
Das jüngste PfAu-Treffen fand bei der Firma Jungheinrich statt. Auf der Agenda stand neben Informationen rund um diese Firma auch ein Vortrag von Wolfgang Freudenberger, dem Leiter der Heinrich-Metzendorf-Schule.
Wie gut das PfAu-System funktioniert, zeigte sich schon vor Beginn des Treffens: Helmut Hörtler, vor fünf Jahren als Teamleiter im Sozialamt Mitbegründer der Initiative und heute nach seiner Pensionierung noch immer deren ehrenamtlicher Leiter, reichte sein Handy mit einem Hauptschüler am anderen Ende der Leitung an einen der Paten weiter. Kurze Zeit später war ein Gespräch für die nächste Woche vereinbart. So stellt man sich unkomplizierte Hilfe vor. Nach einer kurzen Einleitung stellte Freudenberger seine Schule mit einem Film vor.

Die Metzendorf-Schule ist eine von drei beruflichen Schulen im Kreis. Angeboten wird eine Vielzahl von Ausbildungsberufen mit den unterschiedlichsten individuellen Anforderungen, aber auch verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen in Richtung mittlerer Reife, Fachabitur und Abitur. Der Film zeigte eindrucksvoll, dass die Schule gut ausgestattet ist und den Jugendlichen so hervorragende Ausbildungsbedingungen bietet. Neben den berufsbildenden Maßnahmen vor Ort können auch Auslandspraktika oder internationale Schülerbegegnungen organisiert werden.
Freudenberger lädt Jugendliche und deren Eltern gerne an die Schule ein, um sich vor Ort ein Bild von der Schule und dem vorhandenen Angebot zu machen. Auf der Basis dieser Information lässt sich danach ein Ausbildungsweg besser auswählen. Das passt zum Konzept der Schule, ihre Schüler so individuell wie möglich zu fördern.
Natürlich bildet auch der Gastgeber des Abends aus. Günther Steinsdörfer, Leiter des Vertriebszentrums Südwest, das in der Stubenwaldallee beheimatet ist, stellte seinen Gästen das Unternehmen Jungheinrich kurz vor. 1953 in Hamburg gegründet, sitzt das Logistikunternehmen "rund um den Stapler" heute an 31 Standorten auf der ganzen Welt und gehört so zu den drei größten Anbietern in seiner Branche weltweit. Mit über 10 000 Mitarbeitern wurden 2008 über zwei Milliarden Euro Umsatz gemacht. In der Bensheimer Niederlassung arbeiten knapp 300 Mitarbeiter, vor allem im Bereich des Kundendiensts. Speziell dafür bildet Jungheinrich auch aus. Weil qualifizierte Kundendienst-Techniker am Markt nur schwer zu finden sind, bildet das Unternehmen seit drei Jahren Mechatroniker aus, um sie nach erfolgreicher Ausbildung auch zu übernehmen. Daneben gibt es noch einen Ausbildungsplatz für einen Industriekaufmann sowie vier Stellen für BA-Studenten aus dem BWL-Sektor. Zwar würden an Mechatroniker relativ hohe Anforderungen gestellt, dennoch sei ein Hauptschulabschluss auch hier keinesfalls ein K.-o.-Kriterium, versicherte Steinsdörfer. Er verlasse sich nach einer ansprechenden Bewerbung lieber auf ein persönliches Gespräch. Um einen besseren Eindruck vom Unternehmen zu bekommen, bietet Jungheinrich auch regelmäßig Praktika an.
Abgeschlossen wurde das Treffen mit einem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Firma Jungheinrich, der von Paten und Netzwerkern auch schon zu einem ersten Erfahrungsaustausch genutzt wurde. Informationen rund um das Angebot der Metzendorf-Schule sowie der Initiative Paten für Ausbildung (PfAu) gibt es auch im Internet unter www.metzendorfschule.de sowie unter www.ausbildungsinitiative-pfau-bensheim.de. pb

Bergsträßer Anzeiger
13. November 2009