Paten für Ausbildung Bensheim/Zwingenberg informierten sich bei Holzbau Wilch

Talent vorhanden, Durchhaltewille fehlt
Einigermaßen gut rechnen sollte so ein Auszubildender schon können. Und noch dazu sportlich – und möglichst
schwindelfrei – sein. Auch räumliches Vorstellungsvermögen sollte der künftige Azubi – oder die „Azubine“ – mitbringen.
Die „zwei linken Hände“ müssen indessen zu Hause bleiben.
Und wer angesichts einer bevorstehenden Aufgabe in der Lage ist, zumindest eine können noch junge Burschen gebrauchen.“
Aber er weiß auch, dass der Beruf auf der Beliebtheitsskala nicht eben ganz oben rangiert – ein Zimmermann muss immer raus, wenn es heiß oder kalt ist, wenn es regnet oder schneit. Auf der anderen Seite hat sich das Berufsbild gewandelt,

Holzbau Wilch

ist moderner und vielseitiger geworden.
Die Akteure von Paten für Ausbildung (PfAu) Bensheim/Zwingenberg statteten dem Zwingenberger Familienunternehmen
HolzbauWilch einen Besuch ab und wurden von Chef Johannes Wilch informiert.
Lösungsidee zu entwickeln, den kann man brauchen.
Für Diplom-Ingenieur Johannes Wilch vom Traditionsunternehmen Holzbau Wilch in Zwingenberg ist das Lehrlingsproblem
mal ein kleineres und mal ein größeres.
Im vergangenen Jahr stellten sich in dem Handwerksbetrieb, der 1989 in die alte Obst- und Gemüsemarkthalle
am Bahnhof umgezogen ist, zehn Bewerber für einen Ausbildungsplatz zum Zimmerer vor. Eingestellt hat

Wilch zwei. In diesem Jahr ist die Nachfrage mau. „Wir können noch junge Burschen gebrauchen.“
Aber er weiß auch, dass der Beruf auf der Beliebtheitsskala nicht eben ganz oben rangiert – ein Zimmermann muss immer
raus, wenn es heiß oder kalt ist, wenn es regnet oder schneit. Auf der anderen Seite hat sich das Berufsbild gewandelt,
ist moderner und vielseitiger geworden.Die Akteure von Paten für Ausbildung (PfAu) hörten gut zu.
Sie statteten dem 15 Mann/Frau-Betrieb einen Besuch ab, um sich über Chancen und Möglichkeiten für den Einstieg von
Hauptschülern zu informieren. Was sie vom Chef des Familienunternehmens über die Ausbildungssituation
zu hören bekamen, machte ihnen einerseits Mut, andererseits brachte es sie auf den Boden der Tatsachen zurück.
Zum einen: Ein Hauptschulabschluss ist kein Hindernis auf dem Weg zum Beruf des Zimmerers. Zum anderen ist die
Erfolgsquote bei den Junghandwerkern relativ gering. „Es gibt mehr Abbrecher, als mir lieb ist.
Früher war das anders“, berichtet Johannes Wilch von seinen Erfahrungen.
Und bemängelt, dass die Jugendlichen zu schnell die Flinte ins Korn werfen oder sogar einfach schwänzen.
Viele von ihnen hätten durchaus Talent, seien handwerklich geschickt und auch körperlich geeignet.
Dass sie sich trotzdem schnell wieder verabschieden, führt der Chef des Handwerksbetriebs nicht auf mangelnde Bildung,
sondern auf fehlendes Interesse und geringe Motivation zurück. „Die Eltern müssten sich mehr um ihre Sprösslinge kümmern.
Aber oftmals wissen sie gar nicht, was diese tun.“
Die Begabten sind schnell weg
Bevor sich der Chef für einen Azubi entscheidet, muss dieser erst mal eine zweiwöchige Probezeit überstehen.
Eine Möglichkeit, den Beruf des Zimmerers einmal hautnah kennenzulernen, sind Schulpraktika.
Zurzeit beschäftigt Wilch fünf Azubis vom ersten bis zum dritten Lehrjahr. Mädchen sind nicht darunter.
Allerdings bildet der Zwingenberger Handwerksbetrieb auch in den kaufmännischen Berufen aus.
Und hier hat zum zweiten Mal hintereinander eine junge Frau den Ausbildungsplatz bekommen.
Ob er denn den einen oder anderen der jungen Leute nach beendeter Lehre übernimmt, will einer der Paten
von Johannes Wilch wissen. Die Antwort überrascht: Er würde gerne, aber die wirklich Begabten wollen schnell
weiterkommen, ihre Meisterprüfung machen, weiter die Schule besuchen – oder es zieht in ferne Länder.
Beispielsweise nach Kanada. Dorthin geht einer seiner der Auszubildenden demnächst, um seinen Beruf auszuüben. gs