Unternehmen: Paten für Ausbildung (PfAu) waren zu Gast bei Suzuki / Für technische Berufe zählen praktische Fertigkeiten

mit viel Potenzial BENSHEIM. „Autos!“

 

lautet die  Antwort von 55 Prozent der Jungen zwischen zwei und  zwölf Jahren auf die Frage  nach ihrem Lieblingsspielzeug.
Dies hat  eine  Studie im April 2012 ergeben. Wenn Jugendliche allerdings ihren Schulabschluss machen, sind sie längst keine Kinder mehr.
Und doch ist „was mit Autos“ dann oft noch immer ein Traumberuf.
Da war es naheliegend, dass  die Paten der Ausbildungsinitiative „PfAu“ für das letzte Treffen des Jahres einen Autokonzern ausgewählt hatten.
Und zwar einen, der nicht in einer  Millionenstadt wie Berlin oder München ansässig ist, sondern im Gewerbegebiet Stubenwald.

 Suzuki

 

Persönliche Paten

Und  so traf man sich in Bensheim, um sich über die Firma  Suzuki und deren Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.
Denn darum geht es bei PfAu: Individuelle Paten nehmen Hauptschulabgänger unter ihre Fittiche, indem sie mögliche Berufe vorschlagen und Hilfestellung
beim Zusammenstellen von

Bewerbungsunterlagen und der Vorbereitung von Interviews geben sowie das erste Ausbildungsjahr begleiten. Suzuki ist da ein spannender potenzieller Arbeitgeber. Das verdeutlichte auch Hermann Schönhut, im Unternehmen für den Personalbereich verantwortlich.
Er stellte  den Paten und  Verbindungslehrern der Schiller- und Geschwister-Scholl-Schule, Stadtverordnetenvorsteherin Carola Heimann und Mitarbeitern der „Agentur für Arbeit“ die „Suzuki Motor Corporation“, vor. Deren Firmenhauptsitz befindet sich im japanischen Hamamatsu.
Das weltweit tätige Unternehmen vertreibt seine  Produkte in 196 Ländern und  hat 35 Hauptproduktionsstätten in 24 Ländern und Regionen, Suzuki gliedert sich in die Sparten Automobil, Motorrad und Marine und beschäftigt weltweit aktuell rund 52 000  Mitarbeiter. In  Bensheim sind aktuell etwa 350 Mitarbeiter  (mit  Leiharbeitskräften in  Spitzenzeiten bis zu 450) tätig. Die Zahl der Auszubildenden und Trainees ist allerdings seit dem  Firmenstart der Suzuki International Europe GmbH in Bensheim im Jahr 2003 recht überschaubar. Das Hauptaugenmerk des Unternehmens lag zunächst auf der Neupositionierung der Marke Suzuki auf dem europäischen Markt.
Während 2004 lediglich ein Zweiradmechaniker mit Hauptschulabschluss ausgebildet wurde, stieg die Zahl der Auszubildenden nach einer fünfjährigen Ausbildungspause stetig an.
2009 trat ein zukünftiger Informatikkaufmann (Realschulabschluss) die Ausbildung an, 2011 bereits drei potenzielle Groß- und Einzelhandelskaufleute (Fachoberschul- bzw. Realschulabschluss). Eine weitere Auszubildende zur Groß- und  Einzelhandelskauffrau (Realschulabschluss) folgte in diesem Jahr, in dem zusätzlich ein weiterer Ausbildungsplatz zum Kraftfahrzeugmechatroniker vergeben wurde, über den sich ein Bewerber mit Hauptschulabschluss freuen konnte.
„Im technischen Ausbildungsbereich für Zweiradmechaniker und Kraftfahrzeugmechatroniker werden auch gerne Hauptschüler berücksichtigt, da für Suzuki dort eher praktische Fertigkeiten ausschlaggebend sind“, erklärt Hermann Schönhut. Er berichtete über Pläne, ab dem kommenden Jahr sechs Handelsfachpacker auszubilden – das sind fast so viele Auszubildende, wie zwischen 2004 und 2012 zusammen.
Führung durch das Lager
Ein toller Erfolg auch für PfAu, denn deren Anfrage gab bei Suzuki den Anstoß, die hiesige Ausbildungssituation zu reflektieren. Gut möglich, dass schon beim  nächsten PfAu- Workshop ein Mitarbeiter von Suzuki über die Bewerbungskriterien seines Unternehmens berichten wird – von der Sichtung vollständiger Bewerbungsunterlagen über einen Einstellungstest (Assessment) bis hin zum  entsprechenden Auftritt beim  Bewerbungsgespräch.
Im Anschluss an die Vorstellung des Unternehmens führte Hermann Schönhut die Gäste durch das Lager – und damit zum möglichen Arbeitsplatz einiger PfAu-Schützlinge.
150 000 Artikel – Ersatzteile und  Zubehör – finden dort auf 16 000 Quadratmetern Platz und werden in einer  Wechselschicht von bis zu 150 Mitarbeitern bearbeitet. Hier  werden sicherlich auch die sechs Auszubildenden zum Handelsfachpacker tätig sein. Zum Schluss führte Hermann Schönhut die  Gäste in die hauseigene Werkstatt, wo Autos und Motorräder für unterschiedliche Zwecke, etwa Presseveranstaltungen, Messen oder Ausstellungen, vorbereitet werden.

Geschwister-Scholl-Schule: Workshop der „Paten für Ausbildung“ lieferte wichtige Informationen

Gut gerüstet für die Bewerbung

„Ich   nehme  teil,   weil mich  das  interessiert. Wenn  ich einen  Ausbildungsplatz habe, will ich gut  abschneiden“, meint Marvin energisch. Er ist einer  von zehn Schülern, die am Freitag  und  Sams- tag  freiwillig  „nachsaßen“, anstatt sich direkt nach dem  Unterricht ins Wochenende  zu verabschieden  – und  somit viele  Klischees  über ar- beitsunwillige Hauptschüler wider- legte.  Die Schüler erhofften sich wertvolle Tipps zur Vorbereitung auf das,  was nach der  Schule  kommen soll.
Die  Initiative „Paten für  Ausbil- dung“ (PfAu) hatte zum Workshop in die Geschwister-Scholl-Schule gela- den.  Adressaten waren Hauptschüler auf der Suche nach einem Ausbil- dungsplatz. PfAu hat  sich  zum  Ziel gesetzt hat, Schüler des Hauptschulzweiges bei der Jobsuche und  Be- werbung zu unterstützen.
Jedem in- teressierten und motivierten Schüler wird auf Wunsch ein Pate  zur Seite gestellt, der individuelle Hilfestel- lung bei der Suche  nach einem Ausbildungsplatz leistet und  bei Bewer- bungsfragen erreichbar ist. Ziel war es, die Schüler reale  Bewerbungssinen, „was Profis zu meinem Auftreten  sagen“.
Dieses  Vorhaben begrüßte auch Erster Stadtrat Helmut Sachwitz, der die  Schüler zur  Teilnahme am Workshop beglückwünschte und auf die Chancen einer PfAu-Patenschaft hinwies. Raumausstatter Thomas Rettig erklärte, was aus seiner Sicht von einer gelungenen Bewerbung erwartet wird  –  Vollständigkeit etwa, aber auch Natürlichkeit und   Pünktlichkeit. Bei einem Bewerbungsgespräch legt der  Raumausstatter vor allem  Wert auf Authentizität und Ehrlichkeit.
„Man  sollte  auf  jeden Fall zu dem stehen,  was man macht“, meint Rettig. Auch die persönliche Abgabe der Unterlagen und die spätere Nachfrage zu deren Verbleib begünstigen demnach den po- sitiven Ausgang.
Dabei wurde deutlich, dass es kaum ein allgemeingültiges Vorgehen bei Bewerbungen gibt – was in kreativen Branchen gilt, kann etwa im  handwerklichen Bereich völlig unpassend sein, und umgekehrt. Unterschiede gibt es selbst branchenintern: So fällt dem  einen Personalleiter eine  Bewerbung möglicherweise positiv abhebt oder weil sie handschriftlich verfasst wurde. Für den anderen kann das hingegen ein Ausschlusskriterium sein.  Allen gemeinsam ist jedoch wohl die Erwartung von Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und  Sorgfalt.
Test unter Realbedingungen
Auch die Schüler hatten die Gelegenheit, ihre Erwartungen zu formulieren. Im Anschluss führten die Teilnehmer einen Leistungstest durch, der vom neuen Hauptschulleiter der GSS, Herrn Hartinger, erläutert und überwacht wurde. Die Schüler mussten unter anderem Fragen der Allgemeinbildung und  Mathematik beantworten. Einen  besonders großen  Stellenwert in  dem  dreißigminütigem Test, der ebenfalls unter Realbedingungen durchgeführte wurde, gebührte dem
Bereich „Logisches Denken“.
Das eigentliche Bewerbungsinterview war Thema des zweiten Workshop-Tages. Auch hier wurde viel Wert auf Authentizität gelegt, um den Schülern zu zeigen, was sie in einer tatsächlichen Bewerbungssituation erwartet.  Dabei ging es nicht nur um Inhalte sondern auch um das um das Auftreten der Berufsanwärter.
Und auch hier wurden Unterschiede deutlich: Sakko oder Jackett etwa mögen in einigen Bereichen „over dressed“ wirken; in anderen sind sie Voraussetzung.
Sich  über  die   Gepflogenheiten der jeweiligen Branche zu informieren,  gehört ebenfalls zur  Vorbereitung. Das verdeutlichten auch Bianka Dörsam von der Firma Unilever in Heppenheim und  einige  Mitglieder des Round Table Bensheim, die am Samstag jeweils mit drei Schülern die Interviews durchführten  unter Echtbedingungen, die viele der  Berufsanwärter nachhaltig beeindruckten. In  Gruppen wurden die Interviews im Anschluss ausgewertet.
Dabei ging es erneut keineswegs darum, die Schüler zu diffamieren – vielmehr gaben ihnen die  Profi-Interviewer wertvolle Tipps mit auf den Weg.
Dr. Hans-Jörg Droescher führte die Gruppen schließlich wieder zusammen, um das Erlebte im Plenum auszuwerten. Den Teilnehmern werden  Zertifikate ausgehändigt  ein weiteres Dokument für das  Bewerbungsportfolio der Hauptschüler. So vorbereitet sind die Schützlinge gut gerüstet für eine erfolgreiche Bewerbung.