Ausbildung:

Im Heppenheimer Job-Center war gestern Azubitag mit zahlreichen Infoständen und Ansprechpartnern für Jugendliche.
Ein Tag, der Mut machen soll.

Zurzeit besucht Hüseyin die Hauptschule. Aber er will seinen Realschulabschluss und dann eine handwerkliche Ausbildung machen. "Am liebsten will ich später zur Bundeswehr", sagt der 15-Jährige aus Bensheim. Gestern ist er seinem Ziel einen Schritt nähergekommen: Er hat sich beim Azubitag im Heppenheimer Job-Center über seinen Traumberuf und den Weg dorthin informiert.
Einen solchen Azubitag hat "Neue Wege", der Hartz-IV-Eigenbetrieb des Kreises, gestern zum ersten Mal organisiert. Eingeladen waren 1300 Jugendliche aus dem gesamten Kreis Bergstraße, die entweder selbst im Leistungsbezug sind oder deren Eltern Hartz IV bekommen und die noch nicht genau wissen, wie es nach der Schule weitergeht. "Die meisten haben ihre Ausbildungsentscheidung schon getroffen, viele sind aber auch noch auf der Suche nach einer geeigneten Stelle", sagte Erster Kreisbeigeordneter Thomas Metz.
Ausbildung erst mit 19
Neben den beruflichen Schulen und den Jobcentern des Kreises standen 15 weitere Ansprechpartner den Jugendlichen Rede und Antwort, darunter das Diakonische Werk und der Caritasverband, das Berufsbildungszentrum und die ehrenamtlichen Initiativen "Strahlemann" und "PfAu".
"Junge Menschen kommen heute immer später in Ausbildung, im Durchschnitt erst mit 19 Jahren. Der Azubitag soll ihnen Mut machen. Niemand muss Angst vor dem Ausbildungsmarkt haben", sagte der Betriebsleiter von Neue Wege, Rainer Burelbach.
Statistisch gesehen ist die Suche nach einem Ausbildungsplatz sogar leichter geworden: Gab es in der Vergangenheit stets weniger Lehrstellen als Bewerber, hat sich das Verhältnis mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. In Südhessen liegt die Zahl der Ausbildungsplätze seit Jahren konstant bei 6000, während die Zahl der Anwärter sinkt - nicht zuletzt deshalb, weil sich nur noch ein Drittel aller Schulabgänger überhaupt für das Duale System entscheidet. Noch einmal 20 Prozent der Auszubildenden brechen ihre Lehre ersatzlos ab.
Im Kreis Bergstraße wurden im vergangenen Jahr laut IHK 623 Ausbildungsverträge geschlossen, davon 511 im kaufmännischen und 112 im gewerblich-technischen Bereich. 77 Jugendliche hat Neue Wege in Ausbildung, 176 in Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt. Am Ende des Jahres wurden noch acht junge Menschen verzeichnet, die nicht in Ausbildung oder einer Maßnahme waren - im Landesvergleich eine gute Zahl, die auch in diesem Jahr erreicht werden soll, so Metz.
Dazu beteiligen sich Neue Wege und die Jugendhilfe des Kreises an der "OloV"-Initiative ("Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit"), die den Ausbildungsmarkt in den Mittelpunkt rückt.
Dem 15-jährigen Hüseyin hat der Azubitag jedenfalls weitergeholfen: "Ich weiß jetzt, dass ich nach der Schule verschiedene Möglichkeiten habe. So hat mir der Azubitag auf jeden Fall etwas gebracht." rk

Bergsträßer Anzeiger
16. April 2010