Aubildungsinsitiative:

Informationen über neue Pläne aus Wiesbaden beim PfAu-Workshop

50 Schüler werden pro Jahr betreut Paten dürfen sagen, wo der Schuh drückt

"Paten kann man nie genug haben." Dr. Hans-Jörg Droescher, Erika Zappen und Wolfram Pönitz, die von Anfang an der Initiative für Ausbildungs- und Praktikumsplätze (PfAu) angehören, wissen, wovon sie sprechen. Oftmals kümmern sich engagierte Paten um bis zu sieben Problemschüler gleichzeitig, motivieren sie, sprechen ihnen Mut zu, beteiligen sich aktiv am Schulleben und halten Kontakt - und versuchen, die Jugendlichen fit für die Suche nach einer geeigneten Lehrstelle zu machen.
Auch Paten müssen ab und an Erfahrungen austauschen, sich neue Informationen holen, weiterbilden und sagen, wo der Schuh drückt. Zum Jahres-Workshop im Feuerwehrstützpunkt begrüßte Stadtrat Matthias Schimpf am Freitag Patinnen und Paten der Städte Bensheim, Zwingenberg, Lorsch und Einhausen, Fritz Eberhardt von der Geschwister-Scholl-Schule, Christiane Gassberger von der Schillerschule, Christine Schäfer von der Agentur für Arbeit sowie Teamleiter Armin Zeißler von der Verwaltung.
Informationen über Förderprogramme der Arbeitsagentur, Beratungsmöglichkeiten in den Haupt- und Realschulen, sowie das Konzept der Landesregierung, Haupt- und Realschüler der Stufen 5 bis 7 ab 2012 gemeinsam in einer Mittelstufenschule zu unterrichten, standen im Fokus der Veranstaltung. Fritz Eberhardt, Schulleiter des Hauptschulzweigs der GSS, erläuterte die Pläne aus Wiesbaden, wonach den Schulen die Entscheidung selbst überlassen bleibt, ob sie die neue Schulform einführen. Der Kreis Bergstraße als zuständiger Schulträger hingegen favorisiere eine einheitliche und flächendeckende Zusammenlegung, um möglichen Abwanderungen entgegen zu treten und einen "Flickenteppich" zu vermeiden.
Dr. Ute Weber-Schäfer, die erst vor kurzem als Patin zur Initiative gestoßen ist, referierte darüber ob und wie Coachingmethoden im Patengespräch hilfreich sein können. Dr. Droescher schließlich ermunterte die Patinnen und Paten aus ihrem Erfahrungsschatz heraus Negatives und Positives zur Diskussion zu stellen.
Kappe ab, Kaugummi raus, Knopf aus dem Ohr und Handy aus -
so lauten die vier Grundregeln, welche Paten ihren Schützlingen als Erstes beibringen. Denn, wer einen Ausbildungsplatz sucht und sich bewirbt, sollte auf Äußerlichkeiten achten und einen guten Eindruck hinterlassen. Die erste Begegnung kann entscheidend sein. "Wir müssen den Schülern gewisse Formalien vermitteln und versuchen, dass sie die Stolpersteine umgehen", war die einhellige Meinung.
Pünktlichkeit ist wichtig
Immens wichtig sei es, den Schulabgängern beizubringen, dass Verlässlichkeit und die Einhaltung von Terminen Grundvoraussetzung für eine erfolgsversprechende Betreuung - und für eine erfolgreiche Bewerbung ist. Ab dem 8. Hauptschuljahr nehmen Paten die Jugendliche unter ihre Fittiche. In den sechs Jahren ihres Bestehens ist die Ausbildungsinitiative zu einem Netzwerk, einer Brücke zur Ausbildung und Arbeit geworden. Als zwei "Vorzeigebetriebe", neben anderen, wurden die Firma Herbert in Bensheim und die Firma Vogel in Zwingenberg hervorgehoben. Viele Mittelständler vwenden sich ganz gezielt an PfAu und bieten freie Lehrstellen an. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass die betreuten jungen Leute in der Lehre wissen, wo es langgeht und was für sie wichtig ist.
Wolfram Pönitz gab einen Einblick in die Arbeit von PfAu. Jährlich beteiligen sich etwa vierzig bis fünfzig Schüler der Bensheimer und Lorscher Hauptschulen und Jugendliche aus anderen sozialen Bereichen, wie Neue Wege/Jobcenter. Die Vermittlungserfolge direkt in die Ausbildung liegen bei etwa sechzig Prozent. Die übrigen Jugendlichen gehen über Berufsfachschulen, Fördermaßnahmen, oder Langzeitpraktiken, in die Ausbildung.
Und noch etwas: Immer mehr gute Hauptschüler wenden sich an die Paten und vertrauen auf deren Hilfe und gute Kontakte. gs

Bergsträßer Anzeiger
11. Mai 2010