Arbeitsmarkt:

Paten für Ausbildung Bensheim/Zwingenberg auf Stippvisite bei der BRAIN AG / Schulamt stellte Konzept der Mittelstufenschule vor

Dickes Lob für die Akteure von PfAu

Zugegebenermaßen gehören die Schülerinnen und Schüler, die die Paten für Ausbildung
(PfAu) Bensheim/Zwingenberg klassischerweise betreuen, nicht zu dem Personenkreis, der bei der BRAIN AG anheuert: Ein Drittel der über 80 Beschäftigten des „Biotechnology Research And Information Networks“ trägt einen Doktortitel, ein weiteres Drittel hat einen Ingenieurgrad in Biologie oder Chemie erworben – und beim verbleibenden Mitarbeiter-Drittel handelt es sich um Absolventen von Lehrberufen wie dem des Biologielaboranten, der allerdings zu über 90 Prozent von
Abiturienten ergriffen wird.
Hauptschüler, wie es die eher schwer in den Arbeitsmarkt zu vermittelnden „Patenkinder“ der ehrenamtlich tätigen PfAu-Akteure sind, finden sich auf der Gehaltsliste der BRAIN AG nicht – und trotzdem unterstützt das Unternehmen die Initiative derer, die sich mit großem Engagement darum kümmern, dass von Jugendarbeitslosigkeit gefährdete, aber dennoch ausbildungswillige junge Menschen Ausbildungsplätze erhalten.

Presse

Dr. Martin Langer, Öffentlichkeitsarbeiter des Biotech-Unternehmens, hatte PfAu Bensheim/Zwingenberg
am Dienstagabend in das industriedenkmalgeschützte Bauhaus-Gebäude an der Darmstädter Straße eingeladen, um mit einem
„Parforceritt“ durch das, was landläufig als „Genforschung“ bezeichnet wird, dem höchst interessierten
Publikum zu erläutern, was die BRAIN AG macht. Der Kontakt war durch FDP-Stadtrat Wolfgang Becker zustande gekommen
– Becker ist Mitglied der örtlichen PfAu-Initiative, die in regelmäßigen Abständen Unternehmensbesuche

absolviert. Er hatte den für „Corporate Development“ (= strategische Unternehmensentwicklung) zuständigen Martin Langer dazu angeregt, den Paten für Ausbildung sein Unternehmen zu präsentieren – und der hatte sehr gerne zugesagt und war
am Ende der gut dreistündigen Veranstaltung voll des Lobes für PfAu: „Ihr persönliches Engagement für jeden einzelnen Schüler finde ich begeisternd und unterstützenswert.“
Schließlich gebe es in Deutschland nur „eine einzige Ressource“, so Langer, „und das ist die humane Ressource“.
Die „menschliche Innovationskraft“ sei es, die gefördert werden müsse. Langer: „Ich bin davon überzeugt, dass auch die
Hauptschule viel Potenzial hat.“ Bewirtet mit einem „Zwingenberger Biotech-Produkt“ – einem „Granit“ des Weinguts Simon-Bürkle – hatten die Paten für Ausbildung zuvor einen guten Einblick in das Unternehmen BRAIN im Speziellen und einen guten Überblick über die Branche im Allgemeinen erhalten.
Langer präsentierte zwar – wie bei der (nicht börsennotierten) BRAIN AG üblich – keine Umsatzzahlen, verriet aber, „dass wir Jahr für Jahr Beum 30 Prozent profitabel wachsen“.
Die Zahl der hoch qualifizierten Arbeitsplätze sei alleine in diesem Jahr um zehn gestiegen.
Äußerst erfolgreich am Markt platziert hat sich das Unternehmen unter Leitung seiner Gründer Dr. Holger Zinke (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Jürgen Eck (Forschungsvorstand) unter Anwendung „des Werkzeugkastens der Natur“.
Im Auftrag beziehungsweise in Kooperation mit vorwiegend Chemieunternehmen – die Referenzliste von BRAIN liest
sich wie ein „Who’s Who“ weltweit erfolgreicher Branchenvertreter – wird in Zwingenberg im Bereich der „weißen Biotechnologie“ geforscht.
Verbesserte Flugzeugenteisungsmittel, Süßstoffe oder Waschmittel sind Beispiele für Endprodukte, an deren Entwicklung
die Biotechnologen mitwirken. Über 60 gelungene Kooperationen „Wir beschäftigen uns mit der Biologisierung der Industrie“, fasste Langer zusammen – und das ganz offenkundig sehr erfolgreich: die BRAIN AG kann auf über 60 gelungene Kooperationen zurückblicken. Künftig will das Unternehmen sich nicht mehr nur auf Forschung beschränken, sondern mit einem Partner auch produzieren. Langer ließ keinen Zweifel daran, dass die Biotech Biotechnologie eine Zukunftstechnologie
ist: „Wenn Schülergruppen bei uns zu Gast sind, dann werden wir nicht müde zu betonen, dass es sich hierbei
um ein Tummelfeld handelt, bei dem niemand Angst haben muss, abgewickelt zu werden“.
Vorausgesetzt, die Unternehmen agieren geschickt am Markt – die BRAIN AG tut das seit 1993, seit 1996 am Standort Zwingenberg. Dort setzt man auf Expansion: Für insgesamt 150 Mitarbeiter ist Raum vorhanden.

Zur Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf

Die Paten für Ausbildung (PfAu) Bensheim/Zwingenberg und die Repräsentanten des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Bergstraße und den Odenwaldkreis waren sich einig:
Auch nach Einführung der Mittelstufenschule wird es Menschen geben müssen, die sich über die ureigensten Akteure des Bildungsbetriebs hinaus um Schülerinnen und Schüler kümmern, die schlechte Startchancen erwischt haben.
Das Zusammenführen von Haupt- und Realschulzweig in den Klassen 5 bis 7 und die verstärkte Kooperation der
allgemeinbildenden mit den berufsbildenden Schulen, wie es ein Konzept der Landesregierung vorsieht,
wird die Ehrenamtlichen von PfAu nicht „arbeitslos“ machen.
Leitende Schulamtsdirektorin Dr. Frida Bordon und Schulamtsdirektor Dieter Thie waren am Dienstagabend zum Unternehmensbesuch von PfAu bei der BRAIN AG nach Zwingenberg gekommen, um die Mittelstufenschule vorzustellen.
Mit der Neuausrichtung soll auf die zurückgehenden Schülerzahlen in der Hauptschule reagiert werden – einem Schulzweig, der bei Erziehenden und Ausbildungsbetrieben immer weniger Akzeptanz findet.
Die Mittelstufenschule soll in den Einstiegsklassen zunächst nicht nach Haupt- und Realschülern unterscheiden,
um allen Absolventen dieselben Bildungschancen zu bieten.
Die Differenzierung erfolgt dann ab der achten Klasse. Überdies soll eine klare Ausrichtung auf die Vermittlung der
Schüler in Ausbildungsberufe erfolgen.
„Wir befinden uns in einer spannenden Transformationsphase von einem drei- zu einem zweigliedrigen Bildungssystem“,
beschrieb Dr. Frida Bordon den aktuellen Prozess und bescheinigte der neuen Mittelstufenschule „Innovationspotenzial“.
Würde diese Schulform etabliert werden können, böte sich die Chance, schwer in den Ausbildungsmarkt zu vermittelnden
Schülern „Warteschleifen“ zu ersparen. Die Chancen der Betroffenen könnten sich durch eine längere Verweildauer in der
Schule und eine Integration in klaren Konzepten der Berufsförderung an den Schulen verbessern.
Trotzdem brauche es auch künftig „zur Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf“, nahm Frau Bordon die Gemeinwesen mit
in die Pflicht. Ihr Kollege Dieter Thie ergänzte: „Wir werden künftig mehr denn je auf Kooperationen von Schulen mit
Initiativen wie Paten für Ausbildung setzen.“
Erziehung und Bildung des Nachwuchses müsse als gesamtgesellschaftlicher Auftrag verstanden werden und könne nicht
nur den Schulen überlassen bleiben, waren sich die Diskutanten einig.
Leitende Schulamtsdirektorin Dr. Frida Bordon bedankte sich vor diesem Hintergrund ausdrücklich bei den ehrenamtlichen
Paten für Ausbildung für deren großes Engagement.
Im Frühjahr soll der Diskurs zwischen PfAu Bensheim/Zwingenberg und dem Schulamt fortgesetzt werden.