Paten für Ausbildung besuchen Behindertenhilfe „PfAu“ (Paten für Ausbildung) ist eine in Bensheim und Zwingenberg ansässige Initiative der beiden Städte
zur Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen für Jugendliche. Die ehrenamtlich tätigen Paten
informieren sich mehrmals im Jahr in Betrieben der Region, um Ausbildungsmöglichkeiten für ihre
Schützlinge zu finden.
Mit der Ausdehnung der Betreuung – neben den Hauptschulzweigen der Geschwister-Scholl-Schule und der
Schillerschule sind jetzt auch deren Realschulbereiche dabei – ist auch die Anzahl der relevanten
Betriebe gewachsen.
Führung durch die Werkstatt Die neueste Informationsrunde führte die Paten zu einem der größten
Arbeitgeber in der Region: der Behindertenhilfe Bergstraße („bhb“). Geschäftsführer Christian
Dreiss erläuterte die Arbeit mit Menschen mit Behinderung und führte zusammen mit dem Werkstattleiter
Stefan Karner die Gruppe durch die Einrichtung.
Neben der Zentrale mit Werkstatt in Bensheim in der Darmstädter Straße sind auch in Lorsch und Fürth
Werkstätten eingerichtet, die über einen modernen Maschinenpark verfügen. Hier werden für namhafte,
zum Teil weltweit operierende Firmen Teile in Kleinserien hergestellt.
Die Behindertenhilfe steht hier im Wettbewerb mit anderen Unternehmen – sowohl qualitativ als auch
preislich. Dabei hat das Unternehmen keinerlei Vorteile. Unter anderem steckt in fast allen Schlössern
der Bahnhofsschließfächer in Deutschland Leistung der Behindertenhilfe.
Das Leistungsspektrum umfasst Metall- und Holzverarbeitung, Montage und Verpackung, Elektromontage,
Küche und Mittagsverpflegung, Wäscherei sowie Garten- und Landschaftspflege. Dabei muss die Entlohnung
der Mitarbeiter mit Behinderung selbst erwirtschaftet werden.
Individuelle Wohnangebote Zusätzlich besteht in den Einrichtungen auch die Möglichkeit, sich
künstlerisch zu betätigen. In den arbeitsbegleitenden Maßnahmen werden die Mitarbeiter mit Behinderung
in Bezug auf ihre künstlerischen Fähigkeiten gefördert. Ob Malen, Musizieren oder Theater spielen
– die verschiedenen Ausstellungen und Auftritte, z. B. beim Festival Vogel der Nacht im Stadtpark
Bensheim, zeugen von der Attraktivität der Angebote. Auch selbsterstellter Weihnachts- und
Gartenschmuck, der unter anderem auf Märkten und in der Zentrale verkauft wird, zeigt die Kreativität
der Menschen.
Ein weiteres großes Arbeitsfeld umfasst die individuellen Wohnangebote für die Menschen mit Behinderung
in der Region Bergstraße. Zur Veranschaulichung beschreibt Leiterin Katja Wirth zwei Wohnformen:
Während beim „stationären Wohnen“ rund um die Uhr Betreuer anwesend sind, werden die Menschen
beim „betreuten Wohnen“ individuell nach Hilfebedarf unterstützt und beraten. 20 Betreuer kümmern sich
um 90 Bewohner dieser (selbst gemieteten) Einrichtungen.
Praktikum für Schüler Seit drei Jahren besteht in der Darmstädter Straße auch die Möglichkeit der
Tagespflege für Schwerst- und Mehrfachbehinderungen. Hier wird Familien Unterstützung und Entlastung
bei der Bewältigung der oftmals hohen alltäglichen Anforderungen und Belastungen geboten. Die zu
pflegenden Menschen werden zu Hause abgeholt und am Ende des Tages wieder heimgebracht.
Für „PfAu“ ist die Möglichkeit eines Praktikums in der Einrichtung von großem Interesse. Hier hätten
Jugendliche die Gelegenheit, gemeinsam mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten.
Auch die Ausbildung zum Sozialassistenten (ein Jahr) als Voraussetzung für den Beruf des Erziehers
(drei Jahre Ausbildung) mit anschließendem Anerkennungsjahr bietet für Jugendliche mit Hauptoder
Realschulabschluss eine gute Perspektive.
Zum Kennenlernen des Umfeldes und der Arbeit mit Behinderten wies Christian Dreiss eindringlich
auf die Möglichkeit hin, in der Einrichtung ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren.